Es begann wie es immer beginnt

Im falschen Moment und unter denkbar miserablen Voraussetzungen. Peter Hoffmann, den Oldies als F3b-E- Spezie bestens bekannt, sprach mich an einem trüben Tag im Oktober 89 einmal an. 

Es muss ein besonders trüber Tag gewesen sein, denn er wollte mich zur Teilnahme am Winterpokalwettbewerb überreden. Ich muss vorausschicken, dass ich bis dato nur "Thermik" vom Hang oder von Motormodellen durch "ziehen" am Höhenruder kannte.
Aber er ließ nicht locker. Segler hatte ich schon welche, die Betonung liegt auf welche ... Sagitta, Thermaris und Mini-Nimbus. Alle Geräte für den Hang oder sanfter Thermik. Keines geeignet, um am Startseil auch bei böigen Winden gen Himmel geschickt zu werden. Also lautete sein Vorschlag -Ein Flamingo muss her - Hier musste ich erst einmal schlucken. Mein größtes Problem war... der Anbau am Wohnturm war in Arbeit, der Bastelkeller erst auf der Bauzeichnung fertig und das Geld und die Zeit von Frauchen bestens verplant.

Also vergingen zwei arbeitsreiche Jahre bis die Hornhaut wieder weich und der Flamingo fertig war.
Inzwischen hatte wohl Peter keine Lust mehr zu warten und schloss sich der F.A.G. Kaltenkirchen an. Das konnte ich ihm nicht verdenken. Wir waren als F.T.G. aber auch nicht so faul. Wettbewerbe fanden schon auf unserem Platz statt, aber ich hatte stets mein Plätzchen am Rande als Helfer bzw. Punktrichter. Da lernt man doch das Punktlanden - oder!? -
Gesagt - versucht - . Der Herbst 91 war da und ich auch dabei. Aber alles nach dem Motto
" learning by doing" oder wie der Franzose sagt.

Immerhin kannten wir die Kommandos "Landung jetzt" und die " Zeit läuft" bestens. Nur mit der Praxis haperte es noch. Aber die sollte ja nun auch noch für mich beginnen.

Wie schon in vielen Jahren davor begann so ein Winterpokal in den grauesten Wochen im November in Norderstedt. Und wie auch immer viel zu früh noch vor dem Frühstück um 8:15 Uhr. Garnichts für Brötchenliebhaber wie mich. Aber die Thermosflasche sorgte für die nötige Wärme. Ganz ohne Prozente! Doch nun begannen auch mir die Nerven zu flattern, aber glücklicher Weise zeigten auch einige von den "Älteren" was Nerven sind.
Also nichts wie Augen auf ( oder zu ) und durch. Etwas komisch fand ich es schon den F.A.Gˋler Peter Hoffmann zu fragen, ob er oder das Team einem helfen konnte. Es kam aber noch besser, es fanden sich schnell einige Kumpels aus Lübeck usw. die dem "Greenhorn" halfen.

Wichtig war nur, den ersten Durchgang zu punkten, das beruhigt ungemein. Auch waren ja noch unsere Senioren da. Günter Zenker, Joachim Kärgel und ich bildeten den Kern. Wenn wir auch unsere lieben Probleme mit dem Laufstart hatten. Aber gestartet sind wir immer. Nicht so gut und so hoch wie die Cracks der F.A.G., dafür hielten wir uns an das Motto: Hier muß doch Thermik zu finden sein!

Entweder war der Himmel zu grau, der Wind zu stark, die Brille nass oder ich zu blöd. Immer, oder fast immer hatten wir unsere Probleme mit den 200 Sekunden, und die Zielkreislandung sollte auch noch passen. Das war zuviel. Also keine langen Ausreden und auch kein Geschimpfe auf das Gerät, aller Anfang ist schwer. Bei der Abrechnung bei Kaffee und Kuchen in Niendorf, d.h. nach dem 4. Wettbewerb ( Niendorf, Kaltenkirchen, Norderstedt und F.T.G.) war ein stolzer 12. Platz von ca. 20 Teilnehmern meiner. Nicht besonders toll, aber ein Anfang.

Schön fand ich auch, dass neben einigen jungen Hüpfern die Senioren nicht zu kurz kamen. Doch man sah in den folgenden Jahren meisstens die gleichen Gesichter. So war es nur logisch sich der aufkommenden Seuche, dem F3J (J= Jedermann) anzuschließen. Auf den Veranstaltungen waren z.T. bis zu 50 Teilnehmer zu bestaunen. Man könnte so manches Bierchen trinken und vom schönsten Absturz schwärmen.

Unter den Winterpokalisten hält sich auch ein Vorurteil besonders hartnäckig - bei den Borstelern fällt der 1. Termin sowieso wegen schlechten Wetters aus und am 2. ist zu viel Wind! Das verstehe ich nicht. Haben die etwa Angst vor unserem Platz?
Aber der nächste Februar kommt bestimmt und wenn meine Finger sich noch bewegen lassen, bin ich wieder dabei. Du auch?


Wolfgang Schiller

 

 

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